Rückbildung

Rückbildung verpasst: Was Du jetzt noch tun kannst

Rückbildung verpasst oder schon länger her? Warum es nicht zu spät ist, was die Forschung sagt und welche Möglichkeiten Du nach dem 9. Monat hast.

Inés Carolina Maisch
Inés Carolina MaischHebamme B.Sc. · aktualisiert am 31. Oktober 2026
7 Min. Lesezeit✓ 7 Quellen
Mama trainiert ihren Beckenboden auf der Matte zu Hause, ihr Baby sitzt auf ihrem Schoß

Das Wichtigste vorab: Wenn Du die Rückbildung in den ersten Wochen oder Monaten verpasst hast, ist das nicht schlimm. Das geht vielen Mamas so. Wichtig ist nur: Gezieltes Rückbildungstraining gehört für jede Mama dazu, und es ist nie zu spät dafür. Dein Beckenboden ist ein Muskel und lässt sich auch Jahre nach der Geburt noch stärken. Klassische Rückbildungskurse zahlt die Kasse bis zum Ende des 9. Monats, danach gibt es zertifizierte Präventionskurse mit Zuschuss.

Inhalt
  1. Warum so viele Mamas die Rückbildung verpassen
  2. Ist es zu spät? Was die Forschung sagt
  3. Woran Du merkst, dass Dein Beckenboden Training braucht
  4. Deine Möglichkeiten nach dem 9. Monat
  5. So startest Du heute
  6. Wann Du ärztlichen Rat brauchst
  7. Häufige Fragen

Warum so viele Mamas die Rückbildung verpassen

Die ersten Monate mit Baby sind voll: wenig Schlaf, Stillen, Arzttermine, vielleicht ein Geschwisterkind. Dazu kommt, dass gute Kurse oft ausgebucht sind oder zu Zeiten stattfinden, die mit Baby kaum machbar sind. Und irgendwann ist der 9. Monat vorbei.

Viele Frauen merken erst später, dass etwas nicht stimmt: beim ersten Lauf, beim Trampolinspringen mit dem Kind oder wenn sie wieder schwerer heben. Das ist häufig, aber es ist nicht etwas, mit dem Du einfach leben musst.

Hebammen-InsightViele Mamas sagen mir: „Ich dachte, das gehört jetzt halt dazu.“ Ein paar Tropfen beim Niesen sind zwar häufig, aber kein Schicksal. Mit gezieltem Training wird es bei den meisten deutlich besser, auch Jahre nach der Geburt.

Deshalb mein Rat an Dich: Nimm Dir die Zeit dafür, auch wenn sie sich gerade knapp anfühlt. Ob jetzt, in einem halben Jahr oder nach dem zweiten Kind: Gezieltes Training für Deinen Beckenboden ist nie zu spät. Aber es sollte passieren, damit Du Dich in Deinem Körper wieder sicher und stark fühlst.

Ist es zu spät? Was die Forschung sagt

Nein. Der Beckenboden besteht aus Muskulatur, und Muskeln lassen sich in jedem Lebensalter trainieren. Die Studienlage dazu ist gut:

  • Beckenbodentraining wirkt: In einer Cochrane-Übersicht mit 31 Studien waren Frauen mit Belastungsinkontinenz nach gezieltem Training etwa achtmal häufiger beschwerdefrei als ohne Training (56 % gegenüber 6 %). Geheilt oder deutlich gebessert waren 74 % gegenüber 11 % (Dumoulin et al., 2018).
  • Von allein geht es oft nicht weg: In einer großen Langzeitstudie hatten drei Viertel der Frauen, die drei Monate nach der Geburt Urin verloren, auch zwölf Jahre später noch Beschwerden (MacArthur et al., 2016).
  • Auch bei Senkungsbeschwerden: Individuell angeleitetes Beckenbodentraining verbesserte in einer Studie mit 447 Frauen das Druck- und Senkungsgefühl spürbar (Hagen et al., 2014).
  • Rektusdiastase: Ein Jahr nach der Geburt hat noch etwa jede dritte Frau einen tastbaren Spalt zwischen den geraden Bauchmuskeln (Sperstad et al., 2016). Auch hier hilft ein Training, das Bauch, Atmung und Beckenboden zusammen denkt.

Ehrlich gesagt: Für Training ganz früh im Wochenbett sind die Ergebnisse weniger eindeutig (Woodley et al., 2020). Gerade Frauen, die Monate oder Jahre später noch Beschwerden haben, profitieren aber nachweislich.

Woran Du merkst, dass Dein Beckenboden Training braucht

  • Du verlierst Urin beim Niesen, Husten, Lachen, Hüpfen oder Joggen.
  • Du musst sehr plötzlich und oft auf die Toilette.
  • Du spürst ein Druck- oder Schweregefühl nach unten, vor allem abends.
  • Winde oder Stuhl lassen sich schwer halten.
  • Beim Aufsetzen aus dem Liegen wölbt sich Dein Bauch in der Mitte nach vorne.
  • Dein Rücken oder Becken fühlt sich beim Tragen und Heben instabil an.
  • Sex ist unangenehm oder schmerzhaft.

Schon ein Punkt reicht als Grund, Dich darum zu kümmern.

Deine Möglichkeiten nach dem 9. Monat

MöglichkeitFür wen?Kosten
Rückbildungsgymnastik bei Hebamme oder PhysiotherapeutinNur bis zum Ende des 9. Monats nach der GeburtKasse zahlt
Zertifizierter Präventionskurs, z. B. Pelvic ResetJederzeit, ohne ObergrenzeJe nach Kasse Zuschuss, z. B. TK 80 %, höchstens 150 € (ohne Gewähr)
Beckenboden-Physiotherapie auf RezeptBei deutlichen Beschwerden wie Inkontinenz oder SenkungKasse, mit Zuzahlung
Allein üben mit Videos oder AppsErgänzung bei leichten BeschwerdenOft kostenlos, aber ohne Korrektur

Allein üben klingt einfach, ist aber schwieriger als gedacht: In einer Studie spannte nach kurzer mündlicher Anleitung nur etwa die Hälfte der Frauen den Beckenboden richtig an, ein Viertel presste sogar nach unten (Bump et al., 1991). Deshalb lohnt sich Anleitung mit Korrektur.

Pelvic Reset bei BOUND: in Hamburg oder live online

Pelvic Reset ist ein zertifizierter Präventionskurs nach §20 SGB V, geleitet von mir als Hebamme. 8 Einheiten Beckenboden-, Rumpf- und Atemtraining in kleiner Gruppe, ohne Obergrenze nach der Geburt. Im BOUND Space in Hamburg-Rotherbaum mit Baby oder live online per Zoom am Abend. Je nach Kasse bekommst Du einen Teil der Kosten zurück.

So startest Du heute

  • Spüren: Setz Dich aufrecht hin. Atme ein und lass den Bauch weich werden. Beim Ausatmen stellst Du Dir vor, Du ziehst eine Murmel sanft nach innen und oben. Danach bewusst wieder loslassen.
  • Im Alltag nutzen: Spann den Beckenboden kurz an, bevor Du niest, hustest oder Dein Kind hochhebst.
  • Regelmäßig statt lange: Lieber jeden Tag ein paar Minuten als einmal pro Woche eine Stunde. Das Loslassen ist genauso wichtig wie das Anspannen.
  • Nicht beim Pinkeln üben: Den Urinstrahl zu stoppen ist keine Übung und kann die Blasenentleerung stören.

Mehr Übungen findest Du im Artikel Beckenbodentraining nach der Geburt. Wenn Du einen Kaiserschnitt hattest, lies auch Rückbildung nach Kaiserschnitt.

Wann Du ärztlichen Rat brauchst

Lass Dich gynäkologisch oder urologisch untersuchen, wenn Du starke oder zunehmende Beschwerden hast, ein Fremdkörper- oder Kugelgefühl in der Scheide spürst, Stuhl nicht halten kannst, Schmerzen hast oder wenn sich nach etwa drei Monaten regelmäßigem Training nichts bessert. Oft ist dann eine Beckenboden-Physiotherapie auf Rezept der richtige nächste Schritt.

Häufige Fragen

Ist es nach einem Jahr zu spät für Rückbildung?
Nein, es ist nie zu spät. Der Beckenboden lässt sich in jedem Alter trainieren, und Studien zeigen, dass gezieltes Training auch lange nach der Geburt deutlich hilft. Wichtig ist, dass Du es machst. Nur die Kostenübernahme für klassische Rückbildungsgymnastik endet nach dem 9. Monat.
Zahlt die Krankenkasse Rückbildung nach dem 9. Monat?
Klassische Rückbildungsgymnastik nicht. Für zertifizierte Präventionskurse wie Pelvic Reset geben viele Kassen aber einen Zuschuss, die TK zum Beispiel 80 %, höchstens 150 € pro Kurs. Angaben ohne Gewähr, die genaue Höhe legt Deine Kasse fest.
Wie lange dauert es, bis ich eine Veränderung merke?
In Studien wird meist mindestens 12 Wochen trainiert. Viele Frauen spüren erste Veränderungen schon nach einigen Wochen, wenn sie regelmäßig üben.
Reicht es, zu Hause mit Videos zu üben?
Als Ergänzung ja. Viele Frauen spannen den Beckenboden aber anfangs nicht richtig an, ohne es zu merken. Eine Anleitung mit Korrektur, vor Ort oder live online mit Kamera, hilft Dir, die Übungen wirklich richtig zu machen.
Kann ich Rückbildung auch online nachholen?
Ja. Pelvic Reset gibt es auch live online per Zoom, dienstags um 18 Uhr. Du trainierst von zu Hause, ich sehe Dich über die Kamera und korrigiere Dich.
Quellen (7)

Bump, R. C., Hurt, W. G., Fantl, J. A. & Wyman, J. F. (1991). Assessment of Kegel pelvic muscle exercise performance after brief verbal instruction. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 165(2), 322–329. https://doi.org/10.1016/0002-9378(91)90085-6

Dumoulin, C., Cacciari, L. P. & Hay-Smith, E. J. C. (2018). Pelvic floor muscle training versus no treatment, or inactive control treatments, for urinary incontinence in women. Cochrane Database of Systematic Reviews, 10, CD005654. https://doi.org/10.1002/14651858.CD005654.pub4

Hagen, S., Stark, D., Glazener, C. et al. (2014). Individualised pelvic floor muscle training in women with pelvic organ prolapse (POPPY): a multicentre randomised controlled trial. The Lancet, 383(9919), 796–806. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(13)61977-7

MacArthur, C., Wilson, D., Herbison, P. et al. (2016). Urinary incontinence persisting after childbirth: extent, delivery history, and effects in a 12-year longitudinal cohort study. BJOG, 123(6), 1022–1029. https://doi.org/10.1111/1471-0528.13395

Sperstad, J. B., Tennfjord, M. K., Hilde, G., Ellström-Engh, M. & Bø, K. (2016). Diastasis recti abdominis during pregnancy and 12 months after childbirth: prevalence, risk factors and report of lumbopelvic pain. British Journal of Sports Medicine, 50(17), 1092–1096. https://doi.org/10.1136/bjsports-2016-096065

Woodley, S. J., Lawrenson, P., Boyle, R. et al. (2020). Pelvic floor muscle training for preventing and treating urinary and faecal incontinence in antenatal and postnatal women. Cochrane Database of Systematic Reviews, 5, CD007471. https://doi.org/10.1002/14651858.CD007471.pub4

Techniker Krankenkasse: Kostenübernahme Rückbildungsgymnastik. https://www.tk.de/techniker/versicherung/tk-leistungen/schwangerschaft-und-familie/leistungen-schwangerschaft-geburt/leistungen-rund-um-die-geburt/kostenuebernahme-rueckbildungsgymnastik-2007800

Inés Carolina Maisch
Geschrieben vonInés Carolina Maisch

Hebamme B.Sc. in Hamburg, Mitgründerin von BOUND und Mama von 4. Ich begleite Frauen in Schwangerschaft und Wochenbett, medizinisch fundiert und mit Blick auf das Mutterwerden.

@hebamme_inescarolina

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