Soor in der Stillzeit: Anzeichen erkennen und richtig behandeln

Das Wichtigste vorab: Soor ist eine Pilzinfektion mit Candida, die Mutter und Baby beim Stillen hin- und hergeben können. Typisch beim Baby sind weiße, nicht abwischbare Beläge im Mund, bei Dir brennende, glänzend rosa Brustwarzen. Aber: Nicht jeder Brustwarzenschmerz ist Soor. Viel häufiger steckt eine ungünstige Anlegetechnik, eine bakterielle Entzündung oder ein Gefäßkrampf dahinter, und Soor wird oft überdiagnostiziert. Lass Dich deshalb untersuchen, bevor Du behandelst. Wenn es Soor ist, werden Du und Dein Baby gleichzeitig behandelt, und Du kannst weiter stillen.
Inhalt
Was ist Soor?
Soor ist eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans. Der Pilz lebt bei vielen Menschen harmlos auf Haut und Schleimhäuten. Wenn das Gleichgewicht gestört ist, etwa nach einer Antibiotikabehandlung oder bei wunden Brustwarzen, kann er sich stark vermehren. Beim Stillen kann er zwischen dem Mund Deines Babys und Deiner Brustwarze hin- und herwandern.
Anzeichen bei Dir
- Brustwarzen und Warzenhof sind rosa bis kräftig pink, manchmal glänzend oder schuppig,
- Brennen oder Jucken an der Brustwarze, auch zwischen den Stillmahlzeiten,
- stechende Schmerzen, die in die Brust ausstrahlen, während oder nach dem Stillen,
- plötzlich auftretende Schmerzen nach einer bisher schmerzfreien Stillzeit.
Anzeichen bei Deinem Baby
- weiße Beläge an Zunge, Wangeninnenseiten oder Gaumen, die sich nicht abwischen lassen,
- unruhiges Trinken, Abdocken oder Verweigern der Brust,
- ein wunder, roter Po mit kleinen Pünktchen am Rand, der auf normale Wundcreme nicht anspricht (Windelsoor).
Ist es wirklich Soor?
Schmerzende Brustwarzen werden schnell als Soor gedeutet. Eine Übersichtsarbeit kommt aber zu dem Schluss, dass Soor an der Brust überdiagnostiziert wird und eine Pilzbehandlung bei Brust- und Brustwarzenschmerzen selten wirklich nötig ist (Douglas, 2021). Häufigere Ursachen sind:
- Ungünstiges Anlegen: Das Baby fasst zu wenig Brust, die Brustwarze wird gequetscht. Nach dem Stillen ist sie oft abgeflacht oder schräg verformt.
- Bakterielle Infektion: Etwa mit Staphylokokken, oft mit gelblichen Krusten und offenen Stellen.
- Gefäßkrampf (Vasospasmus): Die Brustwarze wird nach dem Stillen weiß, dann blau oder rot, oft bei Kälte, mit pochendem Schmerz.
- Hautreizungen oder Ekzeme, etwa durch Pflegeprodukte oder Stilleinlagen.
- Ein verkürztes Zungenbändchen beim Baby.
Deshalb: Lass Deine Brust und das Anlegen von Deiner Hebamme oder einer Stillberaterin ansehen, bevor Du mit einer Pilzbehandlung beginnst.
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Wir schauen uns das Anlegen in Ruhe mit Dir an, finden heraus, woher die Schmerzen kommen, und begleiten Dich, bis das Stillen wieder gut läuft. Beratung bei Stillproblemen übernimmt die Krankenkasse bis zum Ende der Stillzeit.
Mehr erfahrenBehandlung
Ist es Soor, werden Du und Dein Baby immer gleichzeitig behandelt, auch wenn nur einer von Euch Beschwerden hat. Sonst stecken sich beide immer wieder an.
- Für Dich: Eine Creme gegen Pilze für Brustwarzen und Warzenhof, nach dem Stillen dünn auftragen.
- Für Dein Baby: Ein Gel oder eine Suspension für den Mund. Für junge Säuglinge wird meist Nystatin verwendet, Miconazol-Mundgel ist erst ab einem Alter von vier Monaten zugelassen. Bei Windelsoor zusätzlich eine Creme für den Po.
- Dauer: Die Behandlung läuft meist ein bis zwei Wochen und wird einige Tage über das Abklingen der Beschwerden hinaus fortgesetzt.
Die Medikamente verschreibt Deine Ärztin bzw. die Kinderarztpraxis. Ob ein Mittel in der Stillzeit geeignet ist, kannst Du bei Embryotox nachlesen. Bessert sich nach einer Woche nichts, sollte die Diagnose noch einmal überprüft werden.
Hygiene und was Du selbst tun kannst
- Hände nach jedem Wickeln und vor dem Stillen waschen,
- Brustwarzen nach dem Stillen mit klarem Wasser abspülen und an der Luft trocknen lassen,
- Stilleinlagen häufig wechseln, am besten Einmaleinlagen,
- BHs, Handtücher und Waschlappen täglich wechseln und bei 60 °C waschen,
- Schnuller, Sauger und Pumpenteile täglich auskochen,
- abgepumpte Milch während der Behandlung direkt füttern und nicht für später einfrieren.
Von Hausmitteln wie Joghurt, Essig oder Teebaumöl auf der Brustwarze raten wir ab, sie reizen die Haut zusätzlich. Mehr zur Begleitung nach der Geburt liest Du in unserem Artikel Wochenbett nach der Geburt.
Häufige Fragen zu Soor in der Stillzeit
Wie sieht Soor an der Brustwarze aus?
Darf ich bei Soor weiter stillen?
Wie lange dauert Soor?
Geht Soor von allein weg?
Ich habe Brustwarzenschmerzen, aber mein Baby hat keine Beläge. Ist es trotzdem Soor?
Hilft zuckerfreie Ernährung gegen Soor?
Quellen (3)
Douglas, P. (2021). Overdiagnosis and overtreatment of nipple and breast candidiasis: a review of the relationship between diagnoses of mammary candidiasis and Candida albicans in breastfeeding women. Women’s Health, 17, 17455065211031480. https://doi.org/10.1177/17455065211031480
La Leche Liga (2012). Soorinfektion in der Stillzeit. Merkblatt. https://lalecheleague.ch/wp-content/uploads/LLLD-Merkblatt_Soorinfektion-in-der-Stillzeit.pdf
Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Berlin. Embryotox. https://www.embryotox.de
Hebamme B.Sc. in Hamburg, Mitgründerin von BOUND und Mama von 4. Ich begleite Frauen in Schwangerschaft und Wochenbett, medizinisch fundiert und mit Blick auf das Mutterwerden.
@hebamme_inescarolinaDas könnte Dich auch interessieren
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