Das Wichtigste vorab
Dammrisse bei der Geburt gehören zu den häufigen Begleiterscheinungen einer vaginalen Entbindung. Für viele Frauen ist die Vorstellung zunächst beunruhigend. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus der Praxis, dass die meisten Dammrisse gut versorgt werden können und in der Regel folgenlos abheilen. Wenn du weißt, was in deinem Körper passiert und welche Möglichkeiten es zur Vorbereitung gibt, kannst du dieser Thematik mit mehr Ruhe und Vertrauen begegnen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Dammriss?
Ein Dammriss ist eine Verletzung des Gewebes zwischen Scheide und After. Während dein Baby geboren wird, dehnt sich dieses Gewebe stark. Diese Dehnung ist grundsätzlich etwas sehr Natürliches, dennoch kann es passieren, dass das Gewebe die Belastung nicht vollständig abfangen kann und einreißt. Kleine Risse bleiben oft unbemerkt, tiefere Verletzungen brauchen hingegen etwas mehr Aufmerksamkeit und Pflege.
Häufigkeit von Dammrissen bei der Geburt
Viele Frauen erleben im Laufe der Geburt eine Form von Dammverletzung. Besonders bei der ersten Geburt ist das Gewebe noch wenig gedehnt und entsprechend anfälliger. Leichte Dammrisse entsetehn bei schätzungsweise rund 30% der Geburten, schwerere bei rund 1-4%. Die meisten dieser Verletzungen sind oberflächlich und heilen innerhalb weniger Wochen gut aus. Wichtig ist zu wissen, dass ein Dammriss nichts über dein Verhalten oder deine Stärke aussagt. Er ist kein persönliches Versagen, sondern Teil der körperlichen Anpassung an die Geburt.
Ursachen und Risikofaktoren
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für Dammrisse bei der Geburt beeinflussen können. Dazu zählen ein sehr schnelles Austreiben, ein höheres Geburtsgewicht, eine Erstgeburt oder auch starkes Pressen ohne begleitende Atmung. Viele dieser Punkte lassen sich nicht gezielt steuern. Umso wichtiger ist es, auf dein Körpergefühl zu vertrauen und dir eine achtsame Begleitung zu wünschen. In unserem Beitrag zu Self Care in der Schwangerschaft findest du viele Impulse, wie du dich innerlich auf diese Phase vorbereiten kannst.
Die verschiedenen Schweregrade
Dammrisse werden in vier Schweregrade eingeteilt, je nachdem wie tief das Gewebe betroffen ist:
Grad I
Betrifft nur die Haut und oberflächliches Gewebe. Diese Risse sind meist klein und heilen oft schnell.
Grad II
Reicht tiefer in die Dammmuskulatur hinein. Diese Risse werden in der Regel genäht, heilen aber meist problemlos.
Grad III
Hier ist zusätzlich der Schließmuskel beteiligt. Die Versorgung erfolgt besonders sorgfältig, häufig im OP.
Grad IV
Sehr seltene, aber tiefgehende Verletzung, bei der auch der Enddarm betroffen sein kann. Diese Risse benötigen eine spezialisierte chirurgische Versorgung.
Je höher der Grad, desto aufwendiger ist die Behandlung. Gleichzeitig ist es beruhigend zu wissen, dass selbst schwere Dammrisse heute sehr gut versorgt und begleitet werden können.
Wie Dammrisse versorgt werden
Wie ein Dammriss versorgt wird, hängt von seinem Schweregrad ab.
Grad I müssen nicht zwingend genäht werden. Viele dieser kleinen Verletzungen heilen auch ohne Naht problemlos ab. Wenn sie jedoch stärker bluten oder sich die Wundränder nicht gut aneinanderlegen, wird in der Regel dennoch genäht.
Grad II und III werden meist direkt nach der Geburt unter lokaler Betäubung genäht, damit das Gewebe optimal heilen kann.
• Grad IV benötigen eine besonders sorgfältige Versorgung, häufig im Operationssaal durch erfahrene Fachärztinnen oder Fachärzte.
Nach der Geburt sind Schonung, Kühlung, eine gute Wundpflege und gegebenenfalls physiotherapeutische Unterstützung entscheidend für einen guten Heilungsverlauf. Sprich mit deiner Hebamme über effektive Maßnahmen zur Förderung der HEilung
Was du selbst zur Vorbeugung tun kannst
Einen Dammriss kann man nicht vollständig verhindern. Du kannst dein Gewebe jedoch vorbereiten. Regelmäßige Dammassagen in der Schwangerschaft, ruhiges Atmen während der Geburt und geburtsfördernde Positionen können helfen, die Dehnung sanfter zu gestalten.
In unserem Geburtsvorbereitungskurs für Paare – Push Prep lernst du unter anderem geburtsfördernde Positionen, Atemtechniken und wie du in der Austreibungsphase bewusst loslassen kannst. Dieses Wissen hilft dir, dein Gewebe bestmöglich zu unterstützen und mit mehr Vertrauen in die Geburt zu gehen.
In unserem Artikel über Dammassagen in der Schwangerschaft findest du wertvolle infos zur Vorbeugung.
Fazit
Dammrisse bei der Geburt sind zwar häufig, aber in den allermeisten Fällen gut behandelbar. Mit Wissen, Vorbereitung und liebevoller Begleitung darfst du darauf vertrauen, dass dein Körper diese Herausforderung bewältigen kann.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Heilung eines Dammrisses?
Die meisten leichten Risse heilen innerhalb weniger Tage bis maximal Wochen ab. Bei tieferen Verletzungen kann die Heilung länger dauern und sollte gut begleitet werden.
Wann darf ich nach einem Dammriss wieder sitzen?
Sitzen ist grundsätzlich erlaubt, kann sich aber in den ersten Tagen unangenehm anfühlen. Viel Liegen in Seiten oder Rückenlage entlastet die Verletzung. Bitte vermeide nach einer Geburt unbedingt den Schneidersitz, denn in dieser Position wird maximale Belastung auf Wunde und Beckenbode gelegt.
Wie kann ich die Heilung zu Hause unterstützen?
Schonung, regelmäßiges Lüften der Wunde, sanfte Kühlung und eine gute Intimhygiene helfen dem Gewebe bei der Regeneration.
Wann sollte ich ärztlich nachschauen lassen?
Bei starken Schmerzen, zunehmender Rötung, Fieber oder auffälligem Ausfluss solltest du deine Hebamme oder Ärztin kontaktieren.
Kann ich nach einem Dammriss wieder normal Sport treiben?
Leichte Bewegung im Wochenbett ist grundsätzlich förderlich. Intensiver Sport sollte erst nach abgeschlossener Heilung und Rückbildung begonnen werden. Mit deiner Hebamme kannst du deine individuelle Situation besprechen. Davon abhängig kann sie dir die besten Empfehlungen geben.





