Geburtsvorbereitung

Dammmassage in der Schwangerschaft: Hilft sie wirklich? Anleitung und Studienlage

Ab wann, wie oft und was bringt die Dammmassage wirklich? Was Cochrane-Studien zeigen und eine Anleitung Schritt für Schritt.

Inés Carolina Maisch
Inés Carolina MaischHebamme B.Sc. · aktualisiert am 12. Oktober 2026
6 Min. Lesezeit✓ 3 Quellen
Dammassagen in der Schwangerschaft

Das Wichtigste vorab: Eine Dammmassage ab etwa der 34. bis 35. Schwangerschaftswoche kann bei Deinem ersten Kind das Risiko senken, dass nach der Geburt genäht werden muss. Vor allem Dammschnitte werden seltener. Höhergradige Dammrisse verhindert sie nach heutigem Wissen nicht. Ein- bis zweimal pro Woche reicht, mehr bringt nicht mehr. Ob Du massierst, ist Deine Entscheidung: Sie ist ein Angebot, keine Pflicht.

Inhalt
  1. Was ist eine Dammmassage?
  2. Was bringt sie? Das sagen die Studien
  3. Ab wann und wie oft?
  4. Anleitung Schritt für Schritt
  5. Wann Du nicht massieren solltest
  6. Was unter der Geburt hilft
  7. Häufige Fragen zur Dammmassage

Was ist eine Dammmassage?

Der Damm ist das Gewebe zwischen Scheide und After. Bei der Geburt muss er sich stark dehnen, damit der Kopf Deines Babys hindurchpasst. Bei der Dammmassage (oft auch Dammassage geschrieben) dehnst Du den unteren Teil der Scheide und den Damm in den letzten Wochen der Schwangerschaft regelmäßig mit den Fingern. Die Idee: Das Gewebe wird geschmeidiger, und Du lernst das Dehnungsgefühl kennen, bevor es unter der Geburt auftaucht.

Was bringt sie? Das sagen die Studien

Die beste Übersicht liefert eine Cochrane-Analyse mit vier Studien und knapp 2.500 Frauen (Beckmann & Stock, 2013):

  • Weniger Nähte: Frauen, die massiert hatten, mussten nach der Geburt seltener genäht werden. Rechnerisch verhindert die Massage bei etwa einer von 15 Frauen eine Naht.
  • Weniger Dammschnitte: Der Effekt kommt vor allem dadurch zustande, dass seltener ein Dammschnitt nötig war.
  • Vor allem beim ersten Kind: Diese Vorteile zeigten sich nur bei Frauen, die noch nicht vaginal geboren hatten.
  • Nach einer früheren Geburt: Frauen, die schon vaginal geboren hatten, berichteten drei Monate nach der Geburt seltener über Schmerzen am Damm.
  • Kein Effekt auf schwere Risse: Auf leichte Risse und auf höhergradige Dammrisse (3. und 4. Grades) hatte die Massage keinen messbaren Einfluss.

Die meisten Frauen kamen gut mit der Massage zurecht. Ehrlich ist aber auch: Der Effekt ist moderat. Eine Dammmassage ist ein sinnvolles Angebot, aber keine Garantie für einen intakten Damm.

Hebammen-InsightWas ich bei vielen Frauen erlebe: Der größte Gewinn ist oft nicht das Gewebe, sondern das Gefühl. Wer das Brennen und Dehnen schon kennt und gelernt hat, dabei weich zu atmen statt festzuhalten, erschrickt unter der Geburt weniger.

Ab wann und wie oft?

In den Studien begannen die Frauen ab etwa der 34. bis 35. Schwangerschaftswoche. Ein- bis zweimal pro Woche für etwa fünf bis zehn Minuten reicht. Mehr ist nicht besser: In der Cochrane-Auswertung profitierten Frauen, die im Schnitt etwa 1,5-mal pro Woche massierten, sogar deutlicher als Frauen, die drei- bis viermal pro Woche oder öfter massierten (Beckmann & Stock, 2013). Du musst Dir also keinen Druck machen.

Anleitung Schritt für Schritt

  • 1. Vorbereitung: Hände waschen, Fingernägel kurz. Ein warmes Bad oder eine Dusche vorher macht das Gewebe weicher.
  • 2. Position: Halb sitzend mit Kissen im Rücken, Beine angewinkelt und locker nach außen. Manchen hilft ein Spiegel, um sich zu orientieren.
  • 3. Öl: Ein neutrales, unparfümiertes Pflanzenöl, etwa Mandel- oder Jojobaöl, auf Finger und Damm geben.
  • 4. Finger einführen: Die Daumen etwa drei bis vier Zentimeter in die Scheide einführen, die anderen Finger liegen außen.
  • 5. Dehnen: Mit den Daumen sanft nach unten in Richtung After drücken, bis Du ein leichtes Brennen oder Spannen spürst. Diese Dehnung ein bis zwei Minuten halten und dabei ruhig in den Bauch atmen.
  • 6. U-Bewegung: Dann die Daumen langsam in einer U-Form von einer Seite über unten zur anderen Seite bewegen, ein bis zwei Minuten lang.

Die Massage darf sich intensiv anfühlen, aber nicht stechend schmerzen. Wenn Dein Bauch sehr groß ist, kann auch Dein Partner oder Deine Partnerin massieren, dann mit den Zeigefingern. Sprich offen darüber, was sich gut anfühlt.

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Im Kurs üben wir genau das: atmen, loslassen, Dehnung annehmen. Dazu Gebärpositionen, Wehenumgang und wie Deine Begleitperson Dich wirklich unterstützt. Ein Wochenende für Dich und Deine Begleitperson, die Kasse übernimmt Deinen Anteil.

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Wann Du nicht massieren solltest

Verzichte auf die Dammmassage und sprich mit Deiner Hebamme oder Gynäkologin, wenn:

  • Du Blutungen hast oder eine tief liegende Plazenta (Placenta praevia),
  • vorzeitige Wehen oder ein vorzeitiger Blasensprung bestehen,
  • Du eine Scheideninfektion oder aktiven Herpes hast,
  • Dir die Massage unangenehm ist oder alte Erfahrungen berührt. Auch das ist ein guter Grund, es zu lassen.

Was unter der Geburt hilft

Für die Zeit unter der Geburt gibt es eine eigene Cochrane-Analyse. Warme Kompressen auf dem Damm und eine Dammmassage durch die Hebamme in der Austreibungsphase senken danach wahrscheinlich das Risiko für höhergradige Dammrisse (Aasheim et al., 2017). Frag gern schon vorher in Deiner Geburtsklinik, ob warme Kompressen dort üblich sind.

Ebenfalls wichtig: ein langsamer Austritt des Kopfes. Wenn Deine Hebamme Dich in den letzten Wehen bittet, nicht mehr aktiv zu pressen, sondern zu hecheln oder weich zu tönen, schützt das Deinen Damm. Mehr dazu, wie Dammrisse eingeteilt und versorgt werden, liest Du in unserem Artikel Dammrisse bei der Geburt.

Und der Epi-No, ein aufblasbarer Dehnungstrainer? In einer großen randomisierten Studie brachte er keinen messbaren Vorteil für den Beckenboden (Kamisan Atan et al., 2016). Die Massage mit den Fingern ist kostenlos und mindestens genauso gut.

Häufige Fragen zur Dammmassage

Ab welcher SSW sollte ich mit der Dammmassage beginnen?
In den Studien begannen die Frauen ab etwa der 34. bis 35. Schwangerschaftswoche. Früher anzufangen bringt nach heutigem Wissen keinen zusätzlichen Vorteil.
Wie oft sollte ich massieren?
Ein- bis zweimal pro Woche für fünf bis zehn Minuten reicht. Frauen, die etwa 1,5-mal pro Woche massierten, profitierten in den Studien sogar etwas mehr als Frauen, die deutlich häufiger massierten.
Verhindert die Dammmassage einen Dammriss?
Sie senkt beim ersten Kind die Wahrscheinlichkeit, genäht werden zu müssen, vor allem weil seltener ein Dammschnitt nötig ist. Leichte und höhergradige Risse verhindert sie nach den bisherigen Studien nicht.
Welches Öl eignet sich für die Dammmassage?
Ein neutrales, unparfümiertes Pflanzenöl wie Mandel- oder Jojobaöl. Ein spezielles Dammmassageöl ist nicht nötig. Bei einer Nussallergie wählst Du ein nussfreies Öl.
Lohnt sich die Dammmassage beim zweiten Kind?
Auf Nähte und Dammschnitte hatte sie bei Frauen, die schon vaginal geboren hatten, keinen messbaren Einfluss. Diese Frauen berichteten aber drei Monate nach der Geburt seltener über Schmerzen am Damm.
Ist es schlimm, wenn ich nicht massiere?
Nein. Die Dammmassage ist ein Angebot mit moderatem Effekt. Viele Frauen gebären ohne Massage ohne größere Verletzung, und eine gute Begleitung unter der Geburt ist mindestens genauso wichtig.
Quellen (3)

Beckmann, M. M. & Stock, O. M. (2013). Antenatal perineal massage for reducing perineal trauma. Cochrane Database of Systematic Reviews, 4, CD005123. https://doi.org/10.1002/14651858.CD005123.pub3

Aasheim, V., Nilsen, A. B. V., Reinar, L. M. & Lukasse, M. (2017). Perineal techniques during the second stage of labour for reducing perineal trauma. Cochrane Database of Systematic Reviews, 6, CD006672. https://doi.org/10.1002/14651858.CD006672.pub3

Kamisan Atan, I., Shek, K. L., Langer, S. et al. (2016). Does the Epi-No birth trainer prevent vaginal birth-related pelvic floor trauma? A multicentre prospective randomised controlled trial. BJOG, 123(6), 995–1003. https://doi.org/10.1111/1471-0528.13924

Inés Carolina Maisch
Geschrieben vonInés Carolina Maisch

Hebamme B.Sc. in Hamburg, Mitgründerin von BOUND und Mama von 4. Ich begleite Frauen in Schwangerschaft und Wochenbett, medizinisch fundiert und mit Blick auf das Mutterwerden.

@hebamme_inescarolina

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